Fall Student

28. Nov 2025,

Fall Student
Fall Student

Im Falle einer Frage ist das keine Falle, sondern ein Fallenlassen. Was sich hier als Zitat ausgibt, ist gar keines – oder noch nicht.

Es ist lediglich eine synaptische Verbindung loser Gedanken, die zu einer Geschichte führen soll.
Eine Geschichte, die erklärend wirken will.
Soweit der Grundgedanke, kurz bevor er selbst loslässt.

Nun – um welchen Fall handelt es sich hier?
Es geht um den Fall von Illusionen beim Denken.
Also um die Idee, dass eine Meinung klar, gefestigt und vermutlich faktensicher ist – oder wenigstens so scheint.
Es sind diese Überzeugungen, die in vielen Köpfen herumstehen und als naturgesetzlich gelten.
Belegt werden sie durch den Satz: „Das sagen alle.

Uii, sieh mal an – ein Killerargument.
Wer will sich schon gegen eine Mehrheit von „allen“ stellen, wenn diese angeblich in der Überzahl ist?

Irgendwann in der Vergangenheit lief mir ein Satz über die Leber, der bis heute hält, was er nie versprach:
„Wenn du sagst: ‘Bitte alle mal vortreten!’, bewegt sich niemand.
Sagst du dagegen: ‘Alle Frauen über 30 mit schwarzen Haaren, bitte vortreten!’,
dann kommt Bewegung in die Sache.“
Alle ist niemand. Niemand Konkretes.

Doch zurück zur Behauptung.
Wie sicher kann sie sich am Ende der Stange der Faktenlage halten, um als „wahr“ zu gelten?
Oh, jetzt wird’s brenzlig.
Wie oft habe ich einen Satz wiedergekaut, um später an seiner schwindenden Korrektheit zu nagen.

Wo ist sie geblieben – diese Kindheitszeit der klaren Trennung zwischen Wahrheit und Falschheit?
Vielleicht erschien sie nur so eindeutig,
weil Kinder noch nicht alle Fragen stellen konnten.
Fragende Kinder sind gierig – nach Wissen, nach Erklärungen, nach der Bestätigung,
dass das Bügeleisen heiss, das Wasser nass und die Antwort zufriedenstellend ist.
Das war die Zeit, in der Eltern von Kinder-Fragen in Panik versetzt wurden –
und dann einfach sitzenblieben.

Manche Antworten der Erwachsenenwelt haben eine ungeheuerliche Lebensdauer
und haben sich im Verstand als Pfeiler des vermeintlichen Wissens verankert.
Sind das vielleicht die Bausteine,
aus denen sich Denken in eine Kollektion von Illusionen verwandelt?

Ach du grüne Neune.

Zum Glück kam vor bald zwanzig Jahren Google um die Ecke
und nahm uns einen Teil des Denkens ab.
„Ich habe das gegoogelt“ wurde zur Standardantwort auf fast jede Frage.
Google wurde zum Gütesiegel des Faktischen.
Das Gehirn fand das zunächst unwiderstehlich –
endlich Schluss mit Nachdenken, Forschen, Hinterfragen und Zweifeln.
Eine App erledigte das nun für uns.

Wir sind die Google-Kinder.

So klebten sich Annahmen und Halbwissen plötzlich das Label auf:
„Ich weiss das – ich hab’s gegoogelt.“
Eine der grössten Illusionen: Google weiss das.
Dabei ist Google nichts weiter als ein gigantischer Speicher aus Texten, Bildern und Zufällen.
Kein Faktenchecker – nur ein Spiegel der Informations-Welt.

Und das menschliche Gehirn?
Es begann sich zu langweilen.
Verbannt auf die Rolle des Nachschlagewerks,
darf es sich höchstens noch ein paar Ergebnisse merken.

Sorry, Brain.

Doch dann kam die nächste, noch fantastischere Erlösung um die Ecke: Künstliche Intelligenz.
Welch dramatischer Name für ein Werkzeug,
das ausgerechnet die menschliche Intelligenz ersetzen soll.
Jetzt ist Denken maschinell, abrufbar –
Google auf Ecstasy, sozusagen.

Oh ja, das ist eine Revolution.
KI kann vieles lösen – und manches besser als der Mensch:
in der Forschung, in der Medizin, in der Wirtschaft –
und vielleicht eines Tages sogar bei der Bewältigung von Krisen.

So weit das Verkaufsargument.

ChatBot: „Zeig mir mal, auf welcher Strecke das menschliche Gehirn geblieben ist. Danke.

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