Monroe-Doktrinnitus
10. Dez 2025,

Vor zweihundertundzwei Jahren wurde die Monroe-Doktrin den Amerikanern vorgestellt. Nein, diese Doktrin namens Monroe ist weder verwandt noch verschwägert mit der umwerfenden, einzigartigen Marilyn. Doch diese alte Doktrin hatte ähnlich explosiven Inhalt zu bieten.
Die Kernidee dieses Dokuments zur Verteidigung der Vereinigten Staaten von Amerika war zwar lesbar, aber kaum fassbar.
Der gesamte Kontinent – bestehend aus Süd- und Nordamerika – wurde als die Amerikas bezeichnet und galt als eigener politischer Raum.
Kolonien aus Europa wurden nicht mehr akzeptiert, und jegliche europäische Einmischung in die inneren Angelegenheiten der USA war ab sofort tabu.
Im Gegenzug wollten sich die USA nicht mehr in hausgemachte Konflikte und Kriege made in Europe einmischen.
Die James-Monroe-Doktrin von 1823 beflügelte jedoch die Einmischung in Südamerika – selbstverständlich, um die „Stabilität in Südamerika“ zu sichern.
Das war damals.
Im November veröffentlichte die amerikanische Regierung die National Security Strategy – ein 33-seitiges Dokument, das es in sich hat.
Dieses Strategiepapier ist aus der entfernt rechten Ecke ins Oval Office hereingeflattert – und hat es tatsächlich in sich.
Vor allem für den nördlichen Nachbarn Kanada bedeutet es einschneidende politische Konsequenzen.
Ein Punkt sticht besonders ins Auge: die Arktis.
Die Nordwest-Passage der Arktis betrachtet Kanada als inneres Gewässer unter eigener Hoheitsgewalt.
Diese Wasserstrasse ist die einzige strategische Passage, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.
Wenn ein amerikanischer Eisbrecher diese Passage nutzen will, muss Ottawa um Zustimmung gebeten werden – so sieht es das Arctic Cooperation Agreement von 1988 vor.
Nun aber wird diese Vereinbarung als „strategisch untragbar“ bezeichnet, und die USA nehmen sich das Recht auf freie Durchfahrt heraus.
Bitte was?
Entspann dich – da kommt noch mehr.
Parallel dazu will Washington sich nicht nur die Routen schnappen, sondern betrachtet Kanadas kritische Rohstoffe offenbar als Teil eines Selbstbedienungsladens.
Bisherige Abkommen mit Japan, der EU und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden als „unerwünscht“ eingestuft.
Ach ja – als Bonus fordert das Strategiepapier, dass Telekommunikation, Häfen und sämtliche Energieprojekte künftig unter US-Kontrolle stehen sollen.
Das Pfeifen in den Ohren dieses doktrinnitischen Papiers ist erklärbar – denn genau diese Ohren (und Augen) meinen, sich verhört oder verlesen zu haben.
Doch über allem steht wieder die Drohung, dass Kanadas Souveränität in Frage gestellt wird.
Kanada könnte zum Vasallenstaat schrumpfen – und still vor sich hin existieren.
Soweit die Idee aus dem Süden.
Kanada wäre aber nicht Kanada, wenn es nicht nur die Ellbogen oben, sondern auch strategisch längst vorgesorgt hätte.
Premierminister Mark Carney ist nicht zufällig in der ganzen Welt unterwegs.
Er hat mit vielen Ländern Handelsabkommen und Verteidigungspläne besprochen – und Zusagen bekommen.
Damit baut Kanada eine Firewall aus Handels-, Verteidigungs- und Technologiepartnerschaften auf.
Damit Kanada weiterhin Einfluss behält, muss es Ressourcen und Allianzen gezielt einsetzen – und mit Tempo die Diversifikation vorantreiben, um kritische Lieferketten zu sichern und die demokratische Stabilität zu verteidigen.
Das ist alles.
Alles nicht einfach, aber notwendig.
Kanada – mindestens einen Puck weiter.
