«Verlass dich drauf!"

12. Dez 2025,

«Verlass dich drauf!"
«Verlass dich drauf!"

„Ich verlasse mich auf dich.“ Ein ähnlich gestrickter und missverständlicher Satz – vor allem, wenn man jedes Wort ernst und – ähem – wörtlich nimmt.

Verlassen sein oder werden ist üblicherweise mit Tränen und Trauer verbunden. Wer verlassen wird, muss sich mit der neuen Situation auseinandersetzen. Denn die Lücke ist da. Fühl- und sichtbar. Der nächste Schritt ist die Frage: „Warum?“

Was ist der wirkliche Grund, einen anderen Menschen zu verlassen? Neues Glück? Alte Streitigkeiten? Oder gar ein Sterbefall?
Doch der Satz geht ja weiter mit: „Verlass dich drauf! – und stellt die nächste Frage: „Worauf?“ 
Auf eine Zukunftsvision? Auf das nächste Glück?

Ich sehe schon, da kommen wir nicht weiter.
Denn wir denken beim Lesen in Bildern, nicht in Wörtern.
Deshalb ist klar, dass es hier um Verlässlichkeit und Vertrauen geht – also das Fundament, auf dem sich eine Beziehung beruhigt parkieren lässt.

Soweit, so privat.

Reden wir mal kurz über Länder und die Welt an sich.
Beziehungen halten sich nicht an Personen, Grenzen oder Distanzen.
Auch Staaten pflegen Beziehungen miteinander – manchmal gut, manchmal mangelhaft. Genau wie im echten Leben.

Nun hat die EU – also die Europäische Union – aus einem anfänglichen Flirt mit Kanada den nächsten Schritt getan.
Sie hat Kanada eingeladen, mit läppischen sechzehn Millionen kanadischen Dollar am Verteidigungsprogramm SAFE teilzunehmen.
Für wie viel? Na, der Freundschaftsring scheint erstaunlich günstig zu sein.
Schliesslich geht es bei diesem SAFE-Paket um 150 Milliarden Dollar.

Oh ja, da kommt Symbolik ins Spiel.
Offenbar will die EU Kanada unbedingt mit im Boot – und an Land – dabei haben.
Das Vereinigte Königreich hatte übrigens schon lange vorher bei der EU und SAFE angeklopft, um einen Platz am Verhandlungstisch zu bekommen.
Doch es wurde komplett ignoriert.

Warum?
Die UK liegt in Europa – Kanada nicht.
Also: Was hat Kanada, was das Vereinigte Königreich nicht hat?
Vermutlich haftet dem Wort „Brexit“ noch immer ein Nachgeschmack an, der selbst den Briten bitter vorkommt.
Dieses Drama damals, als sich das Vereinigte Königreich entschloss, die Europäische Union zu verlassen.

Verlassen?
Ach so.

Wofür steht SAFE?
Das SAFE-Verteidigungsprogramm (Strategic Alliance for Energy Foundation) ist eine Initiative, die darauf abzielt, die Sicherheitsarchitektur Europas im Bereich der Energieversorgung zu stärken.
Dieses Programm wurde ins Leben gerufen, um Europas Abhängigkeit von externen Energiequellen zu reduzieren und die Resilienz gegenüber potenziellen Bedrohungen und Krisen zu erhöhen.
Soweit die offizielle Beschreibung.

Doch nochmals die Frage: Warum ausgerechnet – oder ausberechnet – Kanada?
Die kanadische Verteidigungsgeschichte war immer eng an die der Vereinigten Staaten von Amerika angelehnt.
Kanada hat sich nicht nur auf die USA verlassen, sondern auch aktiv an NORAD mitgearbeitet.
Ein herausragendes Beispiel für Verteidigungskooperation ist das North American Aerospace Defense Command (NORAD), das 1958 gegründet wurde.
Diese binational organisierte Einrichtung überwacht den Luftraum über Nordamerika und reagiert auf Bedrohungen – ein Paradebeispiel tief integrierter Verteidigungssysteme.

So weit, so partnerschaftlich – und verlässlich.

Moment mal!
Die Welt verschiebt ihre Machtverhältnisse und Partnerschaften derzeit ziemlich dramatisch.
Kanada nutzt – mit etwas „Trinkgeld“ – die Gelegenheit, sich von alten strategischen Abhängigkeiten unabhängiger zu machen.
Und Europa findet Kanada attraktiv, wenn es um einen Partner geht, auf den Verlass ist.

Kanada ist eher ein stiller, aber höchst effizienter Partner.
Ein Blick in die Geschichte zeigt:
Bereits 1943 kämpften kanadische Truppen bei der Befreiung Italiens und der Niederlande von der deutschen Besatzung.
Die Niederlande senden bis heute jedes Jahr Tausende Tulpen nach Kanada – als Zeichen ihrer Dankbarkeit.

Denn auf Kanada war Verlass.

Und genau mit dieser Attitüde der Verlässlichkeit werden Beziehungen gestärkt – auch zwischen Ländern.

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