Lichtgestalten
21. Dez 2025,

Den dunklen Dezember mit Licht zu gestalten, ist eine hervorragende Aktion, um die melancholischen Momente der Dunkelheit etwas aufzuhellen.
Wie? Ach, das ist mit „Lichtgestalten“ nicht gemeint? Hmmm.
Apollo? Ach ja, der Schönling mit Hang zu Licht, Musik und Poesie aus der Märchenwelt der Griechen. Ich verstehe. Die noch immer strahlende Figur steht - oder stand - für Wissen und Kultur. Und damit steht er gut im Gelände. Muss es immer ein Grieche sein, der im Rampenlicht der Mythologie steht? Nein. Die Skandinavier haben ihre eigenen Götter dafür geschaffen. Balder ist der Typ, der für das Strahlen des Lichts, aber auch für Schönheit und Güte für den Norden antrat.
Das sind die lokalen Grössen des Lichts. Im globalen Wettbewerb stehen andere Götter als Lichtgestalten auf der Bühne.
Im Christentum ist es dieser Jesus, der mit seinen Lehren den Weg aus der Dunkelheit weisen soll. Und im Buddhismus wird einer als Der Erleuchtete beschrieben. Der göttlich beschriebene Mann heisst logischerweise Buddha.
Heisst das, diese Lichtgestalten sind alle aus der Mythologie entstanden?
Oh nein. Die Geschichte hat da einige Figuren aus Fleisch, Blut und Geist im Gepäck, die es zu beleuchten lohnt.
Zwei Gestalten fallen dabei besonders auf, und beide waren in der Physik mehr als nur bewandert. Sie haben die Wissenschaft mit Geist und Intelligenz geprägt.
Albert Einstein hat viele Theorien über das Verständnis des Universums publiziert. Er tat dies in einer Weise, die seine Theorien als leuchtende Erklärungen über die Funktionsweise des Universums darstellt. Zudem werden seine Theorien immer wieder aufs Neue mit aktuellen Erkenntnissen bestätigt.
Die andere Lichtgestalt in Chemie und Physik heisst Marie Curie. Sie hat mit radioaktiven Elementen gearbeitet, was ihrer Gesundheit nicht zuträglich war. Aber sie hat grundlegende Veränderungen in der Wissenschaft von Chemie und Physik bewirkt.
Apropos gestalten: Die Kunst und vor allem die Literatur können durchaus mit Lichtgestalten glänzen. Diese stehen oft für zentrale Themen wie Hoffnung, Wahrheit und moralische Integrität – also diese elementaren Themen, die in unserer heutigen Zeit wieder dringend reaktiviert werden sollten.
Nehmen wir Goethes „Faust“, diese Figur des Engels, der Licht ins Dunkel bringt. Die Symbolik? Die Suche nach Wissen und moralischer Erlösung zum Beispiel.
Nicht zu vergessen ist die „Sternennacht“, ein Gemälde von Vincent van Gogh. Auch eine lichtige Gestalt des Malers Van Gogh wollte mit einem Meisterwerk der leuchtenden Sterne und des hellen Mondes Hoffnung in die dunkle und verwirrte Welt bringen.
Alle diese erwähnten Lichtgestalten haben Grossartiges hinterlassen, aber sie haben alle ein gemeinsames Manko: Sie sind tot.
Wo sind die noch lebenden, vielleicht zukünftigen Lichtgestalten von heute? Lassen sie sich überhaupt mit der Berufsbezeichnung „Lichtgestalt“ behaften? Oder wird dieses Label erst nach dem Hinschied der Personen verliehen?
Und falls ja: von wem?
Denn ein Titel wie «Lichtgestalt" ist enorm schwerwiegend und verantwortungsvoll.
Bestimmt gibt es Menschen, die eine solche Bezeichnung verdienen. Nur wissen die betroffenen Leute davon nichts.
Bei Begriffen wie „weise“ oder „intelligent“ werden diese nie in der Ich-Form benutzt. Denn das wäre weder intelligent noch weise. Solche Anerkennung kommt von aussen – im besten Falle.
Dennoch genügt ein Blick in die Welt, um aussergewöhnliche, intelligente, hervorragende Gestalten zu finden, die irgendwann eventuell die Bezeichnung „Lichtgestalt“ oder besser „Lichtgestalter“ verdienen werden.
Bis dahin freuen wir normalen Gestalten uns an all den Lichtern auf den Weihnachtsmärkten, den Einkaufsstrassen und der privaten Weihnachtsdekoration. Abgemacht?
