Hel Den. Hell Then?
01. Jan 2026,

Ein Mann versammelte seine alte Band, holte sich zwei seiner Lieblingsmusiker ins Studio – und der ikonische Song „Heroes / Helden“ entstand vor 49 Jahren. Damals wusste keiner der Musiker um David Bowie, dass sie mit „Heroes“ einen Klassiker erschufen.
„We can be heroes
Just for one day.“
„Wir können Helden sein – nur für einen Tag.“
So einfach diese Zeile klingt – sie hat sich in mein Gedächtnis tätowiert.
Und diese acht Worte sind heute, im noch fast fleckenlosen Jahr 2026, aktueller denn je.
Denke ich zumindest.
Noch selten zuvor tat ich mich so schwer, Grussworte zum Jahresausklang und zum neuen Jahr zu formulieren.
Trotzdem mag ich diese Tradition – das alte, gelebte und verlebte Jahr zu verabschieden, auch wenn es manchmal mit einem rhetorischen Fusstritt begleitet wird.
Zusätzlich wünschen wir uns alle einen neuen Anfang, neue Gelegenheiten und neues Glück – mit der Hoffnung, das Leben und den Planeten Ende 2026 mit einem besseren Gefühl verabschieden zu können.
Die Situation in unserer Welt war selten so angespannt, brandgefährlich und dystopisch, wie das letzte Jahr überdeutlich zeigte.
Punkt.
So. Jetzt ist es raus – und das war’s mit dieser Geschichte.
Hab ein schönes Leben. Und tschüss.
„We can be heroes
Just for one day.“
Warum begleitet mich dieser kurze Text seit 49 Jahren – fast ohne Unterbruch?
Der Begriff Hero beziehungsweise Held erschien mir immer zu abgehoben.
Das waren für mich jene Typen, die alle kritischen Situationen mit Links meistern und nebenbei den Planeten retten.
Also nichts, was ich für mich je in Anspruch nehmen könnte oder würde.
Diese Schuhe waren mir einige Dutzend Nummern zu gross.
Was ist überhaupt ein Held – oder eine Heldin?
Erfunden hat die sogenannte Heldenreise ein Amerikaner namens Joseph Campbell, ein Mythologe.
Er beschreibt das typische Abenteuer, wie es bei einer echten Heldin oder einem echten Helden abläuft.
In einer gewöhnlichen Welt taucht die Heldin auf.
Sie wird mit einer Herausforderung – meist gefährlich – konfrontiert, weigert sich jedoch zuerst, dieses Abenteuer anzunehmen.
Da tritt aus der Dunkelheit der sogenannte Mentor hervor – ein Berater, ein Motivator.
Die Heldin verlässt ihre vertraute Welt und wagt den ersten Schritt in die Gefahrenzone.
Von da an wird es turbulent: Sie trifft auf Freunde und Feinde, muss Prüfungen bestehen – bis zur grössten aller Prüfungen.
Wird sie bestehen oder scheitern?
Das ist der Spannungsbogen.
Doch siehe da – sie erfüllt die Mission erfolgreich.
Sie wird belohnt und kehrt in ihre normale Welt zurück – mitsamt der Belohnung.
Doch wenn sie glaubt, nun Ruhe zu haben: Denkste.
Eine neue Herausforderung wartet schon.
Denn wer einmal Heldin war, darf kein normales Leben mehr führen.
Nein, daran dachte David Bowie wohl weniger, als er „Heroes“ schrieb.
Seine Geschichte handelte von zwei Liebenden – eine im Osten, der andere im Westen Deutschlands.
Oh ja, Liebesbeziehungen sind echte Helden-Stories.
Wer selbst in einer steckt, weiss, wovon ich rede.
„We can be heroes
Just for one day.“
Diese einfachen Worte – „Du kannst ein Held sein, nur für einen Tag“ – waren oft meine Motivation, in Krisenzeiten nicht aufzugeben.
Den nächsten Schritt zu wagen, obwohl es keine Garantien gab.
Und das war gut so.
Viele Türen hätten sich nie gezeigt – geschweige denn geöffnet –, wenn Aufgeben an erster Stelle gestanden hätte.
Heute, am ersten Tag des Jahres 2026, spiele ich „Heroes“ von David Bowie wieder und wieder.
Denn dieses noch jungfräuliche Jahr soll ein Jahr des Heldentums werden.
Nicht nur für einen Tag.
Bitte was?
„We're nothing, and nothing will help us
Maybe we're lying, then you better not stay
But we could be safer, just for one day
Oh-oh-oh, oh-oh-oh, just for one day.“
Helden des Alltags sind mehr denn je gefragt. Helden im lokalen Umfeld. Helden, die das Abenteuer wagen, sich mit Nachbarn und Freunden zu organisieren, um die Welt - unsere Welt - ein klein wenig besser zu machen.
Uns allen wünsche ich ein glückliches, heldenhaftes Neues Jahr.
„We can be heroes*
Just for one day“
