Be Quem

01. Feb 2026,

Be Quem
Be Quem

„Be Quem“ ist ein uralter lateinischer Ausruf, der lauthals in die römische Runde geworfen wurde. Die Runde bestand aus Kriegsherren, Feudalpolitikern und Orgiengängern sondergleichen. „Be Quem“ heisst wörtlich übersetzt: „Bediene dich.“

Die Wörtlichkeit des Begriffs hat sich über die Jahrtausende leicht verändert.
Im Jetzt und Heute ist damit die Bequemlichkeit gemeint – ein Wort, das dem Ursprung der toten lateinischen Sprache auf erstaunliche Weise nahekommt.
Denn wer hat es nicht gern bequem im Leben? Na also.

Das Angebot an bequemen Dingen macht das Leben leichter, spart Zeit (wozu eigentlich?) und lässt die Menschen sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen.
Soweit, so bequem.

Die Werbung für Be Quem – also die bequeme Lebensweise – wird attraktiv präsentiert.
Wer will in der bekanntlich kurzen Lebensdauer nicht mehr Zeit sparen?
Diese könnte man auf ein Sparkonto legen oder anderweitig nutzen.
Ergo wird nicht die Zeit gespart, sondern lediglich die Beschäftigung auf etwas anderes gelenkt.
Zeit lässt sich nicht horten – sie tickt einfach weiter vor sich hin.

Wenn wir schon beim Spargedanken sind:
Mit der Bequemlichkeit, also den Convenience-Angeboten, lassen sich anstrengende Aufwendungen einsparen.
Wer eine Liste von geistigen und körperlichen Aufgaben vor sich hat, die erledigt werden sollen (welch ein Schicksal für Aufgaben, wenn sie ständig „erledigt“ werden!), der nimmt gerne Erfindungen in Anspruch, die genau diese Arbeiten bequemer gestalten.

Schade nur, dass dabei die Muskulatur zu gähnen beginnt und es sich selbst ein wenig lässig einrichtet.
Wieso soll ich die Synapsen in den Muskelkater schubsen – nur weil ich beim Denken bin?

Oh ja, da ist ja noch das Angebot an Produkten und Dienstleistungen.
Diese waren früher meistens nur für eine bestimmte Zeit des Tages zugänglich.
Man nannte dies schlicht Büro- und Ladenöffnungszeiten.
Der Laden, die Öffnung und die Zeiten – sind inzwischen Makulatur geworden.

Jederzeit.
Überall.
Alles.

Keine Hektik mehr, um vor Ladenschluss noch das Wichtigste einzukaufen.
Keine Wartezeit, wenn Onlinehändler „Same Day Delivery“ anbieten.
Keine Kopfschmerzen, wenn KI die Abschlussarbeit schreibt.
Welch eine paradiesische Welt, in der wir leb... vegetieren.

Bitte was?
Nun, wenn schon bequem, dann richtig.
Natürlich fallen dann ein paar Dinge weg, die nicht offensichtlich wichtig sind –
aber die mit der Zeit, der gesparten, so richtig fehlen werden.

Keine Freude, wenn die selbst geschriebene Arbeit gut ankommt.
Keine Erleichterung, wenn man in letzter Minute vor dem Schliessen noch einen Strauss Blumen ergattern konnte.
Keine Zufriedenheit, wenn das selbst zubereitete Essen zustimmende Kommentare erhält.
Keine Glücksmomente, wenn der Körper nach gesunder Anstrengung zeigt, wie lebendig er ist.

Be Quem?
Non opus est!

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