Zoom Out!
03. Feb 2026,

Die Trennung ist gründlich daneben gegangen. Zoom Out wäre die korrekte Bezeichnung – meint zumindest jedes einigermassen vernünftig geschriebene Lexikon.
Der Begriff Zoom hat durch – und während – der Pandemie ab 2020 eine unvergleichliche Karriere hingelegt.
Mangels Kontaktfreudigkeit musste Zoom herhalten, um das Business einigermassen am Laufen zu halten.
Zoom hat dabei einige Fähigkeiten an den Tag – manchmal auch in die Nacht – gelegt, die erstaunlich neue Perspektiven ermöglichten.
In der Kunst der Fotografie bedeutet Zoom, dass Objekte – ja, auch Menschen – mittels Linse näher ins Bild gebracht werden.
Zoom war wahrscheinlich der Funke für die Schweizer Halbierungsinitiative,
denn schon damals waren die zoom-anwesenden Menschen nur zur Hälfte im Bild.
Viele waren ohnehin nicht im Bild, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Zoomzeit hat – wie die Halbierungsinitiative – ein halbbatziges Bild gezeigt.
Man wusste nie, ob die Männer mit Schlips und Jacke untenrum ebenfalls bekleidet waren.
Und falls ja – waren es Bermudas oder passende Hosen?
Bild gab’s nur in Ausschnitten.
So, jetzt lassen wir Zoom einfach mal in die andere Richtung funktionieren.
Also Zoom Out, so weit wie irgend möglich.
Wie wäre der Blick direkt aus dem Fenster der ISS?
Ein wunderschön blau schimmernder Planet dreht sich gemächlich in eine Richtung.
Und der Rest seiner Bestandteile dreht sich mit.
Oh ja, das Herauszoomen der Details ergibt ein ganz anderes Bild vom Zustand unserer Mutter Erde.
Diese Mutter wirkt völlig gesund und wohlbehalten.
Toll, diese Zoom Out-Funktion.
Diese Perspektive aus der Ferne gibt keine Einblicke in den Zoo Erde.
An manchen Stellen ist Rauch zu sehen – was entweder riesige Lagerfeuer oder grosse Kanoneneinschläge bedeuten kann.
Wer weiss das schon aus der Ferne?
Die Erde sieht aus dem All ziemlich alltäglich aus.
Keine Fieberbläschen, keine Schweissperlen sind zu erkennen.
Alles in Ordnung.
Alles in Ordnung?
Gut – die Sicht auf allfällige Menschen auf dem Planeten ist nicht möglich.
Sie sind einfach zu klein im Bild.
Fast schon atomkerngross im Blickfeld wirken sie weder bedrohlich noch bedroht.
Welch wunderschöne Sicht auf die einzige Heimat in tausenden von Lichtjahren – gesund und munter.
Wobei „munter“ hier ein etwas irreführender Begriff ist.
Die Erde als Planet ist einfach nur im Drehmoment und lässt den Dingen ihren Lauf.
Sollen wir wieder ein Zoom In probieren,
damit auch die Kleinigkeiten wie Menschheit, Kriege, Hassreden, Politiker, Unterdrückte, Protestierende, Getötete, Hungernde, Milliardäre, Yachten, Missgunst, sexuelle Übergriffe und sonstige Feinheiten der menschlichen Kultur ins Detailbild gleiten?
Ach du meine Güte – nein!
Oh, sorry – die Liste war ja gar nicht komplett.
Das Einzoomen ging wohl zu schnell.
Beim noch näheren Blickwinkel tauchen sie auf –
die Kämpfenden für Menschenrechte, für Frieden, für Lösungen, für Menschlichkeit, für Schutzbedürftige, für das klare Denken und Fühlen.
Sorry – die gerieten im Tohuwabohu etwas unter die Räder der Geschichte.
Doch sie sind da.
Und sie werden mehr.
Und sie bewirken etwas.
Zoom sei Dank.
