Rück Wärts

12. Feb 2026,

Rück Wärts
Rück Wärts

Manchmal dauert es etwas länger, bis man in die Gänge kommt. Wenn es dann endlich soweit ist, taucht ein neuer Hinweis auf dem langen Weg des Lebenszyklus auf: „Schalt einen Gang zurück.“

Wie, zurück?
Der Weg führt nach vorne – in die Zukunft und das Abenteuer.
Zurück ist für Nostalgiker erfunden worden. Oder für Historiker.
Oder hat die Evolution manchmal den Gang heruntergeschaltet, innegehalten und den Blick zurückgeworfen? Keine Ahnung – ich habe sie nie angetroffen. Die Evolution, meine ich. Und doch wirkt eine solche Vorstellung eher wie eine seltsame, skurile Variante.

Dennoch hat der Ruf „Zurück!“ durchaus wichtige Funktionen. Wer zu nah am Strassenrand steht oder am Abgrund, dem erscheint ein warnendes, lebensverlängerndes „Zurück!!!“ sicher sinnvoll. Und die etwas älteren Menschen sehnen sich in Gedanken – und in Geschichten – gern an ihre Jugendzeit zurück. „Früher war alles besser!“ – der ewige Begleiter auf der Reise der Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Spoiler-Alarm: Es war nicht besser.
Es verkleidet sich nur als die bessere Lebensweise, die faire Politik, die umfassenden Rechte und das wirklich gute Dasein.
Dazu haben die Erinnerungssynapsen einen eigenen Sinn für Humor und Ironie: Sie überzuckern die schönen Momente und blenden die anderen einfach aus.

Und doch drängt sich dieser ewige Trend nach dem „Früher“ und dem „Besser“ immer wieder an die Oberfläche – besonders in Politik und Gesellschaft. Plötzlich wird das Familienleben der Fünfziger und Sechziger Jahre zum erstrebenswerten Luxuspaket stilisiert.
Aber wie sah es eigentlich aus?

Durch das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg war die Arbeitslosigkeit kaum noch ein Thema. In der Familie trug der Mann allein die finanzielle Verantwortung. Die Frau war vor allem als Hausfrau und Mutter gefordert – Berufstätigkeit kaum akzeptiert. Und die Kinder? Die sollten vor allem Respekt und Gehorsam zeigen. Dann hatte der Tag wenigstens Struktur.

Die 1950er Jahre werden im Rückblick gern als Ära des Wohlstands und kulturellen Aufschwungs beschrieben. Doch hinter dem glänzenden Vorhang verbergen sich dunkle Seiten: Menschenrechte und individuelle Freiheiten wurden rigoros zurückgebunden. In den USA war die Rassentrennung voll im Gange – und gab dem Ku-Klux-Klan neuen Auftrieb.
Frauen hatten kaum Zugang zu höherer Bildung oder zur freien Wahl eines Berufes. „Heimchen an den Herd“ war die Losung.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Rückwärtsbewegung das Erreichte der modernen Gesellschaft ausblenden möchte – zugunsten einer verklärten „goldenen Zeit“.
Erstaunlich, wie schnell manche Bürger:innen ihre Rechte aufgeben wollen – ohne eine wirklich lukrative, lebensbejahende Gegenleistung zu erhalten.

Hühner protestieren für Käfighaltung!“ – der passende Slogan für altbackene politische Gesetzgebungen.

Den Rückwärtsgang mochte ich noch nie.
Wieso in eine Zeit zurückgehen, die ich bereits kenne? Ich habe sie erlebt. Überlebt.
Doch die Errungenschaften der letzten siebzig Jahre – in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft – zeichnen ein weitaus attraktiveres Bild des Heute.

Und wie sieht es mit dem Vorwärts aus?
Ganz einfach: Es ist der Ruf ins Abenteuer. In eine unbekannte – aber gestaltbare – Zeit des Jetzt. 
Vielleicht sogar des Morgen.
Hoffentlich. 

Wie abenteuerlich und fantastisch ist das denn?

Auf geht’s!

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