Ab Schied

17. Apr 2026,

Ab Schied
Ab Schied

So simpel das kurze Wort wirkt - die Wirkung ist extrem. Wer sich von einem Menschen verabschieden will - oder muss - ist den Tränen näher als dem Lachen. Ein Herzensmensch geht auf Reisen. Das ist ein Einschnitt in die routinierte Wohlfühlzone.

In diesem Jahr haben sich einige mir lieben Menschen für immer verabschiedet. Sie taten das nicht freiwillig und schon gar nicht mit Freuden. Nein, ihr Leben war schlicht und einfach beendet, wie es der Lebenszyklus vorsieht. Das ist der Lauf der Zeit. Und des Sterbens.

„Sie schied von mir.“ liest sich shakespearerisch, ist aber lediglich ein kurzer Satz, der mit salzigen Tränen und leiser Hoffnung daherkommt. So ein Abschied zu einer Reise ist zwar grundsätzlich eine erquickliche Sache. Denn wir sind ja alle Reisende, irgendwie. Und wenn jemand am Gate oder auf dem Perron steht, um eben diese Welt zu entdecken - welch eine Freude. Doch auch hier bleiben Menschen in der gewohnten Welt zurück und lassen den oder die Reisenden ungern ziehen. Eltern sehen ihre Kinder aufbrechen, ihre eigene Familie und ihr Leben gestalten und zwar selbständig. Der Rat, der Support ist weniger gefragt. Die gemeinsame Zeit wird rar und rarer (akzeptabel, aber ungebräuchlich – evtl. 'seltener und seltener' oder 'rarer und rarer' als Stilmittel).

„Sie haben sich von der Menschlichkeit verabschiedet.“ Autsch. Das sind die Momente, die säuerlich, toxisch und unverständlich auftauchen. Wenn sich eine Tendenz der Gewalt, des Hasses und der Hetze entwickelt, die kaum Widerstand zu erwarten hat, dann werden diese Zeiten dunkel. Und bitter. Das hatten wir ja schon in der kurzen Geschichte der Menschheit.
Und, wie war das damals vor achtzig Jahren?

Hey, warum drehen wir den Spiess der menschlichen Hässlichkeit einfach um? Lass uns von Tendenzen wie diesen verabschieden.
Lassen wir all diese seltsamen Gedanken in den Zug nach Nimmerwo steigen. Gedanken und Haltung mit faschistoiden Zutaten, mit Hetze gegen Minderheiten, mit Machtgelüsten über Frauen und Kinder, mit narzisstischem Verhalten.

OK, ich rutsche wieder in meine hippiesken Träume ab.
Und ich liebe das.
Denn gerade heute braucht es dieses eine Verhalten von uns Bürgern, Freunden, Nachbarn und Familie, die sagen „Nein, solches Verhalten akzeptieren wir nicht.“

Vieles beginnt mit der Sprache, der Rhetorik, wie zuerst wir selbst und wie unsere Kinder sich mental entwickeln. Und eben diese Rhetorik wird zunehmend verwildert, verunglimpft und verachtend gegenüber Andersdenkenden, Anderslebenden und Andershandelnden.
In Deutsch und in Englisch.
Auweia.

Doch die hoffnungsvollen Zeichen in diesen Zeiten der Gewalt sind da. Wenn sich Menschen organisieren, sich zusammentun, sich unterstützen und sie friedlich auf der Strasse ihren Widerstand zeigen - dann läuft die Hoffnung mit. Nicht nur das. Die Proteste zeigen Wirkung.
Es macht wieder mehr Freude, die Nachrichten zu goutieren. Denn Staatsoberhäupter in Spanien, in Kanada und anderswo zeigen, dass Widerstand mit Verstand ganz schön Wirkung zeigen können.

Der Abschied von der Unmenschlichkeit ist das Willkommen einer lebenswerten Welt.
Geht doch, oder?

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