Toi Toi. Toi.
28. Apr 2026,

Toi, Toi, Toi – und jetzt bitte auch spucken Es gibt ein Geheimnis hinter dem bekanntesten Glückwunsch der Theaterwelt, und die meisten Menschen kennen nur die halbe Geschichte. Wer jemals einem Schauspieler vor einer Premiere ein fröhliches "Toi, Toi, Toi" zugerufen hat, hat technisch gesehen nicht geklungen wie jemand, der sich auskennt. ...aber den Rest verpasst hat."
Denn dem Gerücht zufolge – und Gerüchte sind hartnäckig, weil sie zwar unbewiesen, aber ungemein attraktiv sind – ist das dreifache Toi nur der Anfang einer streng regulierten Zeremonie.
Die schauspielernde Truppe greift sich gegenseitig an die Schulter, formt die drei Silben mit Nachdruck, und spuckt über eine Schulter ab. Erst dann gilt der Wunsch als vollständig. Als funktionsfähig. Als übermittelt.
"Ach, Schauspieler sind also abergläubisch?"
Nein, bestimmt nicht. Denn Aberglaube bringt Unglück.
Rituale und Volksweisheiten sind diese Totgeglaubten, die nicht sterben wollen. Sie lauern in den dunklen Ecken des Unterbewusstseins und warten auf ihr Stichwort, um aus der Kulisse ins Rampenlicht zu treten.
Und das Portfolio dieser unsterblichen Sprüche ist reich bestückt.
"Hals- und Beinbruch" zum Beispiel klingt nach einem schlechten Tag in der Notaufnahme, ist aber ursprünglich Jägersprache für eine ertragreiche Jagd.
"Drück mir die Daumen" ist keine Foltermethode, sondern soll böse Geister vertreiben – echtes Daumenkino eben.
"Abwarten und Tee trinken" verspricht Gelassenheit, liefert aber meistens nur lauwarmes Wasser.
Und "Kommt Zeit, kommt Rat" ist der Fatalismus im festlichen Gewand, die Überzeugung, dass Probleme sich irgendwann von selbst in Luft auflösen, wenn man nur lange genug wartet.
Was all diese Formeln verbindet?
Sie sind überlebensfähig, über Generationen hinweg, in einer ausserordentlich geschützten Umgebung.
Selten werden sie hinterfragt.
Selten fragt jemand, ob "Das wird schon wieder" ein Trost oder ein hingeworfener Brocken ist, um eine peinliche Stille zu füllen.
Und vielleicht ist das auch gar nicht der Punkt.
Denn wer anfängt, diese Sprüche zu verstehen – wirklich zu verstehen, woher sie kommen, warum sie bleiben, was sie eigentlich leisten – der muss ihnen deswegen nicht den Zauber entziehen.
Das wäre das naive Missverständnis des Erwachsenwerdens: zu glauben, dass Verstehen dasselbe ist wie Entzaubern.
Es ist das Gegenteil.
Wer weiss, dass das Toi erst durch das Spucken vollständig wird, der kann es mit Absicht sprechen.
Wer weiss, dass "Kopf hoch" keine Anweisung an den Barbier ist, sondern ein Versprechen an den Mut des anderen, der meint es anders.
Die Frage, was zuerst da war, das dreifache Toi oder das "Auf gut Glück", lässt sich vermutlich nicht beantworten.
Aber vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Manche Rätsel sind nicht zum Lösen da, sondern zum Tragen.
Und manche Sprüche sind gut fürs Klima zwischen den Menschen – besonders dann, wenn in schwierigen Momenten die eigenen Worte fehlen.
In diesem Sinne: Kopf hoch. Und toi, toi, toi.

