Du kannst mich kreuzweise.

02. Mai 2026,

Du kannst mich kreuzweise.
Du kannst mich kreuzweise.

Wie hat sich das Kreuz ins Spiel gebracht? Und warum soll das weise sein? Wörter und ihre Entwicklung reichen von logisch bis absurd. Aber nur dann, wenn man kurz innehält und sich fragt... siehe oben.

Vermutlich hat das mit der Verwandtschaft von kreuzweise zu tun. Denn die hatten allesamt ein paar verwirrende und abstruse Hobbies. Einige hatten Spass daran, dem anderen den Buckel herunterzurutschen. Die taten das so lange, bis sie dem Buckelbesitzer lieber als gestohlen gewesen wären. Und dies ist umso erstaunlicher, weil kurz vorher derselbe Bucklinge meinte: "Du kannst mich gern haben." Na also, Liebe übertrumpft alles.

Wörter sind meistens in einer Warteschlaufe und warten auf ein Zeichen. Eine Regung, ein Moment, auf den sie hellwach gewartet haben. Erst dann treten sie in Erscheinung und lassen sich in einen Satz einbinden, wie "Du kannst mich mal kreuzweise..." und so weiter. Einige dieser Abwartenden haben einen etwas bitteren bis bösartigen Unterton mit im Gepäck. Das zeigt sich meistens in den Gesichtszügen der Empfänger, wie der Satz aufgenommen wurde. Da stellt sich natürlich und auch künstlich die Frage, weshalb der Absender sich dieses Wortes bedienen wollte. Oder gar musste. War etwa das Latein zu Ende oder stand kein anderes, freundlicheres Wort zur Verfügung?
Die Qual bei der Wortwahl ist eine delikate Angelegenheit. Schliesslich haben einige gewählte Wörter grössere Wirkung als andere Wortverwandte. Sprich, das Waffenarsenal in der Abteilung Rhetorik hat viel sprengstoffiges und giftiges, aber auch wohltuendes und tröstendes zu bieten. Und manchmal greift der eine oder andere Rhetoriker in die falsche Wortkiste.
Beim Schreiben besteht immerhin eine Schonphase, bevor der Text in den Umlauf des Cyberkosmos geschickt oder ausgedruckt und in einen Briefumschlag gesteckt wird. Da bleibt viel Zeit, sich den Satz nochmals genau zu betrachten, bevor dieser auf das Gegenüber abgefeuert wird.
Ein solches Sicherheitssystem wäre bei mündlich angewandter Rhetorik oftmals mehr als wünschenswert. Doch der Mund ist oft schneller als das Gehirn. Oder der Ärger ist grösser als die Vorsicht in der Porzellankiste.

Wie oft ärgerte ich mich, wenn ein Wort meinen Mund verliess und brutal Einlass ins Ohr des anderen begehrte. Kurzer Moment des Sendens verwandelt sich in lange Momente des Bedauerns.
Und dann sass ich da in der Wörtergrube und der ursprüngliche Ärger des Ereignisses verwandelte sich in Vorwürfe an mich selbst. "Denken, dann sprechen, Depp!" hörte ich mich selbst im Stillen des Kämmerleins sagen.

Ätzende, giftige, beleidigende und diffamierende Wörter sind nachhaltig. Und extrem verletzend. Verletzungen, die von aussen nie gesehen werden, aber sie sind da. Und gönnen sich etwas Toxik zum Frühstück.
Rhetorischer Umweltschmutz kann Übles in der Gesellschaft anrichten.
Rhetorischer Umweltschutz kann das hoffnungsvoll lächelnde Gegenteil verurachen.  

Aber wie so manche anderen wichtigen Dinge braucht dies Übung. Und den einen pazifistischen, rücksichtsvollen Filter vor dem Absenden. 

Rhetorik ist ein faszinierender Tick.

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